Kolumne "Auf'm Platz" - 12. Spieltag: Nazis in der Kurve
Die großen Tage von “SS-Siggi” und seiner "Borussen-Front" sind zum Glück lange vorbei. Springerstiefel und Glatzen gleich Gewalt – diese Rechnung hat den Bundesliga-Fußball vor allem in den 80er Jahren ziemlich in Verruf gebracht. Doch die Nazis sind nicht verschwunden. Im Gegenteil: Sie haben die "Kurve" mit ihrem jungen, politisch meist unausgegorenen Publikum entdeckt. Und: Der braune Mob agitiert längst nicht mehr im Verborgenen.

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WDR 2 Reporter Burkhard Hupe
Schon klar, es sind ja nur wenige. Und natürlich sind Nazis im Stadion in erster Linie ein "gesellschaftliches Problem" und nicht allein der Bundesliga-Vereine. Doch es wächst ein ungutes Gefühl, unterschwellig noch, aber es lässt sich nicht verleugnen. Die Nazis machen sich breit, sie kommen in neuen Kleidern, und sie streifen wie Rattenfänger über die Stehränge der Bundesliga. Manchmal, wie am ersten Spieltag in Dortmund, zeigen sie offen ihre braune Botschaft, meistens agitieren und rekrutieren sie im Kielwasser der Emotionen, bieten Orientierung und Weltanschauung beim Freizeitfußball oder Grillabend.
Nazis im Stadion – das ist längst keine exklusive Stehsatzmeldung mehr in ostdeutschen Redaktionen. In Dortmund, Bremen, Duisburg oder Aachen arbeiten Fanbeauftragte, Sozialarbeiter, Staatsschutz, Polizei und Clubs seit etlichen Monaten mit Hochdruck gegen den neuen Rechtsruck in der Kurve und stoßen dabei oft an Grenzen. Vor allen Dingen bei den Ultras, die sich oftmals wie Gesellschaftsautisten und Stimmungskommissare gerieren, die "ihre" Kurve als unpolitischen und staatsfreien Raum interpretieren und deshalb die Kooperation mit der Polizei strikt verweigern, auch wenn sie selbst zu Opfern rechtsradikaler Schläger geworden sind.
Und wir? Wir Reporter, wir Oberrangsitzkissennutzer, wir Familienväter? Wir klatschen freundlich, wenn große Banner gegen Fremdenhass aufgespannt werden, wenn Mannschaftskapitäne wohlmeinende Botschaften verlesen und wenn das alles den Anpfiff nicht zu sehr hinauszögert. "Man muss jeden Tag dran bleiben", hat ein Polizist aus Aachen neulich ins WDR 2-Mikrofon gesagt. "Man muss sich immer wieder fragen: Wo droht uns etwas?" Halten wir uns dran: an diesem Spieltag und am nächsten und am übernächsten erst recht.
Stand: 15.11.2012, 12.37 Uhr
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 17.11.2012, 09:37 Uhr
- Balduin schrieb am 17.11.2012, 09:37 Uhr:
- Die Sogenannte Fan-Kultur die nur das einzige Ziel kennt den Gegner an einem Spieltag Nieder zu machen ist m. E. dabei der Einstieg in diese braune Scene. Dabei gilt für den einzelnen, wenn er in der Scene Eindruck schinden will, die vorgehensweise der Verunglimpfung des Gegners ständig zu toppen. Es ist im allgemeinen schade das ein schöner Fußballnachmittag mit einem möglichst interessanten Spiel und herrlichen herausgespielten Tormöglichkeiten und vielleicht einem Becher Bier dazu, Gesprächsstoff für den ganzen tag liefert. Bei dem man Möglicherweise gute bekannte treffen kann die mit Unterschiedlichen Sichtweisen zum Spiel, zur Aufstellung und zur gewählten Taktik für interesasante Gespräche sorgen. das wäre ein schönes Freizeit-Vergnügen....
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