Kolumne "Auf'm Platz" - 17. Spieltag Scheinheilige Phrasen

Von Burkhard Hupe

Vor etwas mehr als drei Jahren starb Robert Enke. Mehr Miteinander und weniger Übereinander, mehr Respekt und weniger Effekt – so sollte es von nun an sein. "Wenn dieser tragische Tod überhaupt einen Sinn macht, dann …", dann wollte man mehr Rücksicht nehmen, wollte nicht noch mehr Druck auf Spieler oder Trainer aufbauen, als diese Bundesliga ohnehin schon erzeugt. Vor dem letzten Spieltag der Hinrunde findet Burkhard Hupe, dass man sich noch einmal an die Überschriften von damals erinnern sollte. Dringend.


Auf'm Platz-Autor Burkhard Hupe
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WDR 2 Reporter Burkhard Hupe

Hinterlist und Populismus

Niemand zwingt uns Sportjournalisten so zu sein. Kein Leser, kein Hörer, kein Zuschauer. Niemand wird sich hinstellen und fordern: "Nagelt Schiedsrichter Wolfgang Stark ans Medien-Kreuz! Er hat einen Fehler gemacht!" Und trotzdem ist es geschehen, und wer sich so ganz nebenbei an Babak Rafati erinnerte, dem wurde einfach nur schlecht.

Niemand zwang uns dazu, dem jungen Schalker Schlussmann Lars Unnerstall mit spitzer Zunge oder Feder aufzulauern, um nach jedem Fehler oder Wackler, Messer wetzend aus dem Gebüsch zu springen. Und doch ist es geschehen, und Trainer Huub Stevens hat sich dem geifernden Populismus schließlich gebeugt. Und wer sich so ganz nebenbei an Robert Enke erinnerte, der mochte aus Scham nicht mehr das Haus verlassen.

Niemand zwingt uns dazu, die nahe berufliche Zukunft von Huub Stevens beinahe stündlich in Frage zu stellen, und doch geschieht es – bis zum vorhersehbaren Schlusspunkt. So wie Markus Babbel irgendwann in Hoffenheim "ausgebabbelt" hatte, so wie eine TV-Kollegin kürzlich erkannte: "Die Tage von Ralf Loose sind gezählt." Dresdens Trainer war übrigens zu diesem Zeitpunkt schon längst entlassen.


Mag sein, dass Fußballer und Trainer all diese Verunglimpfungen, Schnellschüsse und Banalitäten aushalten müssen, weil es eben so ist, weil das Geschäft nun Mal so funktioniert. Es sei nur kurz daran erinnert, dass sich jetzt in London eine Krankenschwester das Leben nahm, weil sie dem Scherzanruf eines australischen Radiosenders aufgesessen war und Details über den Gesundheitszustand der schwangeren Kate Middleton verraten hatte. Buchstäblich die gesamte Medienwelt hatte darüber zuvor noch Schenkel klopfend berichtet, ehe pünktlich die Empörung folgte.


Stand: 14.12.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (9)

letzter Kommentar: 16.12.2012, 11:50 Uhr

Balduin schrieb am 16.12.2012, 11:50 Uhr:
Um Markus Babbel mal (sehr frei)zu Zitieren der bei seinem rausschmiss in Stuttgart schon sagte das man aus den Vorkommnissen um Robert Enke nichts gelernt hat. Tatsächlich ist das nicht nur ein Problem der Fußballprofis sondern eins der gesamten Gesellschaft, wie meine Vorschreiber das auch schon erwähnt haben. Es kommt auch von der Meinung her das man jedes Ziel erreichen kann, wenn man nur genügend Druckpotential aufbaut. Die daraus resultierende Versagensangst schlägt dann oft ins negative. Was macht es denn, wenn man den bnetreffenden beliebig ersetzen kann. Wenn stört es dann wenn jemand hinmten herunterfällt. Die schnelllebigkeit in diesem Geschäft Übertüncht vieles. Wir sollten wieder dahinkommen das Fußball eine schöne Nebensache ist die Erfolg um jeden Preis nicht rechtfertigt. Aber das ist bei einem Millionengeschäft leicht gesagt. Was zählt ist der Erfolg nicht die Sportliche Einstellung die dem Gegner Respekt entgegenbringt. Ein Überdenken ist eigentlich Überfällig.
Oliver Herr schrieb am 14.12.2012, 22:08 Uhr:
Fussball ist viel aber auch nicht alles,wir sollten deshalb alle ein Stück mehr Gelassenheit an den Tag legen im übrigen auch beim Thema der Woche Gewalt in den Stadien mehr miteinander als übereinander geschweige denn gegeneinander reden .Natürlich lehne ich Gewalt und Pyrotechnik ab allerdings muss man auch sagen das Wunderkerzen immer sehr schön von weitem aussehen.Mir wurde diese Disskussion viel zu unausgewogen disskutiert und alle Fans in einen Topf geworfen.DAS das Ordnerpersonal besser geschult werden muss finde ich richtig das Polizisten manchmal auch durch ihre Art provozieren Ist auch normal,wir sind alle nur Menschen und schwarze Schafe gibt es überall.Aber ganzkörper Kontrollen die an manchem Grossflughafen schon nicht funktioniert hat und reduziertere Kontingente für Gästefans lehne ich auch ab.PS: Durch den Tod von Enke ist diese Krankheit erst in die öffentliche Disskussion gekommen es wurde die Robert Enke Stiftung ins Leben gerufen.
Heko 0444 schrieb am 14.12.2012, 16:09 Uhr:
Ich weiss Onkel Joerg Die Wahrheit ist unangenehm
BodoBallermann schrieb am 14.12.2012, 16:07 Uhr:
Dem Kommentar von Herrn Hupe ist eigentlich nichts hinzu zu fügen. Erstaunt hat mich allerdings, dass die Sportredaktion des WDR (und natürlich die anderer Medien) sich nicht so verhalten wie im Kommentar gefordert. Oder kommt jetzt -kurz vor Weihnachten- der große Sinneswandel?! Ich denke nicht. Die Kommentare nach diesem Spieltag werden es wieder zeigen.
onkeljoerg schrieb am 14.12.2012, 14:44 Uhr:
lieber burkhard hupe! ihr kommentar zu diesem thema finde ich persönlich sehr gut. leider ist dies nicht nur thema, welches sich auf die bundesliga bezieht, sondern auch ein gesellschaftpolitisches thema. der umgang zwischen vereinsführungen, managern, spielern, fans und den medien lässt einen manchmal zu der erkenntnis kommen, das hier der nötige respekt untereinander abgekommen ist. leider hat heko 0444 das thema mal wieder nicht erkannt, und reitet mal wieder, wie schon seit wochen, auf irgendeine bayern-lastigkeit von pistor und töpperwien herum. trotzdem einen spannenden spieltag und ein frohes fest. vielleicht tut die 4wöchige winterpause allen beteiligten gut, das man wieder zu der erkenntnis kommt, fussball ist in erster linie sport und unterhaltung. merry xmas

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