Klassifizierung bei Paralympics Ständiges Streitthema

Im Behindertensport gibt es in jeder Disziplin verschiedene Klassen. Je nach Art und Schwere des Handicaps werden Athleten darin zusammengefasst. Das soll bei den Paralympics Chancengleichheit sorgen.


Markus Rehm hält seine Goldmedaille in der Hand
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Markus Rehm springt mit Weltrekord zu Gold

In welche Klasse ein Sportler kommt, entscheiden offizielle Ärzte und Physiotherapeuten des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). Zu Beginn einer Behindertensportlaufbahn erfolgt die erste Einteilung. Dies geschieht durch umfangreiche physische Tests sowie Beobachtungen des Athleten beim Sport. Nicht jeder ist immer ganz ehrlich bei den Einstufungstests. Verband und Sportler können die Entscheidung im Laufe einer Karriere öfter anfechten und eine neue Untersuchung beantragen.

Umstrittene Klassifizierung


Die Klassifizierung ist vor allem bei Sommer- und Winterspielen umstritten. Um die Spiele nicht mit Wettbewerben zu überfrachten, werden häufig Klassen zusammengelegt. Ein Wettkampf wird dann nicht durch Zeit oder Weite entschieden, sondern durch ein Punktesystem mathematisch errechnet anhand von Leistung und Behinderungsgrad.

Thema überschattet Wettbewerbe


"Wichtig ist, dass die Athleten nicht daran denken müssen", hatte IPC-Präsident Philip Craven vor Beginn der Paralympics betont. Sein Wunsch erfüllte sich nicht, schon in den ersten Tagen der Spiele überschattete das Thema viele Wettbewerbe. Eine Lösung ist nicht in Sicht. "Diese Probleme wird man im Behindertensport immer haben", meinte Bahnrad-Medaillengewinner Tobias Graf.

Regeln und Klassen ungerecht?

Im Weitsprung der Männer war die Regelproblematik eklatant: die schwerer Behinderten hätten auch mit Fabelweiten gegen Markus Rehm keine Chance gehabt. Nach dem Weltrekord von Markus Rehm im Weitsprung gab es bei den Paralympics hitzige Diskussionen.

Quade: "Das ist Mist"

Keiner verstand, warum Unterschenkel- und Oberschenkelamputierte zusammen gewertet werden und die leichter Behinderten deutliche Vorteile durch ein Punktesystem genießen. "Das ist pervers, so ein Punktesystem wie in der Leichtathletik ist Mist", sagte Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Mannschaft.

Unwort "Klassifizierung"

Wegen mangelnder Athletendichte werden bei den Spielen verschiedene Behindertenklassen zusammengefasst. Das hat zur Folge, dass Rehm im Weitsprung durch ein seltsames Punktesystem quasi unschlagbar war und zum Beispiel Marianne Buggenhagen die Kugel 82 Zentimeter weiter stieß als Yang Liwan, hinter der Chinesin aber nur Silber gewann. Klassifizierung ist für viele Gehandicapte ein Unwort.


Stand: 04.09.2012, 12.02 Uhr