50 Jahre R4 Kult kommt von Können

Von Arndt Brunnert

4.000 Kilometer trennen Soest von Marrakesch. Ein bisschen viel für ein kleines Auto. Quatsch, sagt Matthais Terhaag, denn er ist sie gefahren.

Matthias Terhaag: "Also die 34 PS reichen vollkommen. Der Motor ist sehr genügsam, sparsam und er entwickelt auch genügend Kraft."


Ein roter R4

Und das kam so: Im kalten Winter sah Student Matthias im Fernsehen viele andere Studenten, die in der Sahara mit Autos im Sand spielten. Das Spiel heißt R4 Trophy. Und dabei gewinnen vor allem Kinder in Marokko, denen die Studenten Lebensmittel und Schulsachen bringen. Matthias war begeistert, andere Studenten und seine Professoren an der Fachochschule Soest ebenso. Der R4 hieß übrigens Franky.

Matthias Terhaag: "Der ist bestens dafür geeignet, einfache Technik, kann man selber reparieren, man braucht nur einen einfachen Werkzeugkasten keinen Laptop wie heute in der Werkstatt."

Und da sie Studenten waren, nahmen sie auch ein Experiment mit. Auf Frankys  Dach schraubten sie eine Solarzelle, um deren Leistung zu testen: "Die französischen Autos haben ja den Ruf, dass sie sehr komfortabel gebaut sind, weiche Federn und die sind im Gelände dann auch sehr vorteilhaft, wie auch die bequemen Sitze, wo man dann nicht jeden Stein merkt sondern nur jedes zehnte Schlagloch."

Heidrun Weidprech hat ganz andere Erfahrungen mit der Sänfte R4 gemacht. Auf der Fahrt mit Papa und Mama in den Urlaub: "Früher war da so, dass die Rücksitzbank ausgebaut wurde. Dann wurde hinten das Zelt reingelegt, meine Schwester und ich saßen auf Holzkisten, quer zur Fahrtrichtung es gab noch keine Anschnallpflicht und dann ging es nach Maien und jedes mal in den Kurven ist mir so schlecht geworden, dass wir anhalten mussten und ich musste mich übergeben.

Trotzdem, sagt die Viersenerin, der R4, das ist mein Leben. Das ist also mein Sommer-R4. Ich fahre täglich, auch zum Einkaufen. Alles mach ich mit dem R4 (… und der ist so Top in Schuss, dass ich ihn nur im Sommer fahren darf.) Aber dann hab` ich noch einen Winter-R4. Denn R4s sind im Winter optimal mit den schmalen hohen Reifen kommt man überall die Berge rauf und runter, die fahren Top durch Schnee und Eis.

Ein R4 klingt anders als andere Autos und er riecht anders – allerdings nur, weil er nicht dicht ist. Die häufig nassen Dämmmaterialien duften leicht modrig.  Auch Kabarettist Jürgen Becker mag den Franzosen mit den Schiebefestern: "So einfach, dass man richtig Spaß daran hat. Hier das Fenster z.B., elektrische Fensterheber sind völlig quatsch. Man konnte den Arm so raushängen lassen. Bei der Ente fiel dat immer auf den Ellenbogen rauf."

Appropos Ente. Die hatte Renault im Visier als man 1961 den R4 auf dem Markt brachte. Praktisch sollte er werden, deshalb bekam er auch eine große Heckklappe - damals eine Seltenheit. Für Becker war vor allem der R4-Kastenwagen ein ideales Reiseauto: "Ab nach Frankreich, die Filterlose zwischen den Fingern der rechten Hand, die nach der Revolverschaltung griff. Der war auch sexuell nicht so schlecht, is kein Auto zum Aufreißen, aber wenn es dann soweit war, ging es auch."

Über 8 Millionen R4 erblickten das Licht der Straßenlampen. Aber 1992 war dann Schluss. Er war doch etwas in die Jahre gekommen. Kein Katalysator, keine Zukunft.

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Stand: 28.08.2011, 12.44 Uhr