Steigende Energiekosten: Abzocke und Unehrlichkeit
Private Verbraucher zahlen 2012 drei Milliarden Euro zuviel für Strom. Das geht aus einer im Auftrag der Grünen erstellten Strompreisstudie hervor. Großabnehmer müssen dagegen sogar weniger Geld für Energie ausgeben als früher. Schuld daran sind ungerechte Ausnahmen für die Industrie, sagt WDR 2 Energie-Experte Jürgen Döschner.

-
Bild 1 vergrößern
+
Privatkunden zahlen heute 20 Prozent mehr für Strom als noch vor fünf Jahren.
"Aktuell müsste der Strompreis zwei Cents die Kilowattstunde niedriger liegen, wenn die Versorger die gesunkenen Einkaufspreise der Vergangenheit entsprechend weitergereicht hätten", heißt es in der Untersuchung des Leverkusener Energie-Experten Gunnar Harms. Die Strompreise für Privathaushalte seien in den vergangenen fünf Jahren um gut 20 Prozent gestiegen. Die Kosten an der Strombörse seien dagegen kontinuierlich gesunken, so dass Industriebetriebe und andere Großabnehmer sogar drei Prozent weniger für Energie ausgeben müssen als noch vor fünf Jahren.
"Die Konzerne haben den Reibach eingesteckt"
Audio
- Audio: Strompreisstudie: Unternehmen profitieren, Privatkunden zahlen drauf (24.08.2012) Katrin Schmick / Jürgen Döschner, WDR 2 Morgenmagazin
Schuld daran sind an erster Stelle die Konzerne, sagt WDR 2 Energie-Experte Jürgen Döschner: "Die haben sich den Reibach in die eigene Tasche gesteckt." Ein Stück weit habe aber auch die Politik die Verantwortung für die Preisungerechtigkeit zu tragen. So mache die Abgabe für das "Erneuerbare Energien Gesetz" (EEG) etwa die Hälfte des Strompreisanstiegs für Privatkunden aus. Industrieunternehmen und andere Großverbraucher seien aber weitgehend von der Abgabe ausgenommen.
"Unehrliche Diskussion"
Audio
- Audio: Energiewende: Die Kosten zahlt der Vebraucher (29.08.2012) Helmut Rehmsen / Jürgen Döschner, WDR 2 Morgenmagazin
Döschner rechnet nicht damit, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird. "Wir haben zwar momentan eine heftig geführte Diskussion über die Kosten der Energiewende, aber die wird sehr unehrlich geführt." Der Kreis derer, die die Kosten der Energiewende tragen, müsse ausgeweitet werden, um die Lasten für den Einzelnen zu verringern.
CDU/CSU verteidigt bestehende Ausnahmen
Auch Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn machte die Bundesregierung für den "unaufhaltsamen Anstieg" der Preise verantwortlich. Sie lade die Kosten der Energiewende einseitig bei den Verbrauchern ab. Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, verteidigte die bestehenden Ausnahmeregelungen: "Wer die Industrie weiter belasten will und sie gar zum Sündenbock für steigende Strompreise macht, verdreht nicht nur die Tatsachen. Er gefährdet die Fundamente unseres Wohlstands."
Stand: 24.08.2012, 11.22 Uhr
Seite teilen
Über Soziale Medien