Top Level Domains mit "Klarnamen" Neue Nachnamen im Internet

Von Horst Kläuser

Ein Unternehmen in Kalifornien vergibt neue "Top-Level-Domains", also Endungen von Internetadressen wie .com oder .de. Große Unternehmen zeigen Interesse - müssen für den Dienst aber tief in die Tasche greifen.


Eine Internetadresse in einem Browser endet auf ".thueringen".

Im Internet werden neue Namensschildchen angebracht. Wer heute dort surft, hat ja neben dem üblichen www. noch mit der Endung zu tun, die Domain genannt wird, bei deutsche Firmen etwa .de – wie etwa www.wdr2.de - oder auch .com, etwa bei www.amazon.com. Doch natürlich gibt es noch viel mehr Endungen, sozusagen die "Familiennamen" der Unternehmen, Regierungen (.gov) oder Universitäten (.edu). Internationale Organisationen wählen oft die Domains .org oder .int, .mil steht für militärische Einrichtungen.

Leichteres Navigieren anvisiert

Doch jetzt öffnen sich die Schleusen. Bald lässt die Icann, ein US-Unternehmen, das die Namen im Internet verwaltet, ganz neue Endungen zu. Quasi über Nacht tauchen tausende neue "Nachnamen" auf: etwa .app (für Anwendungen auf Smartphones), .kids für Angebote an Kinder, .book für Buchhändler - und so weiter. So sollen künftig Inhalte, Firmen und Interessen leichter zu finden sein.

Großfirmen kämpfen um Domain-Endungen

Offenbar ist der Hunger nach klaren Adressen, die sofort verraten, worum es geht, so groß, dass die Firmen, die sich um die neuen Domain-Endungen bewarben, sich regelrechte Wettrennen lieferten. Um das erwähnte Beispiel .app rangeln beispielsweise allein elf Firmen, darunter die Giganten Amazon (76 Bewerbungen) und Google. Der Suchmaschinenkonzern sichert sich zum Beispiel auch die Endungen .android, .search, .gmail oder .youtube.

Ein gigantisches Geschäft

Billig ist das übrigens nicht: Allein für eine Bewerbung stellt Icann 185.000 US-Dollar in Rechnung. Offiziell, um Spaßvögel davon abzuhalten, mal eben eine Domain, wie sagen wir .dfb einem gewissen Fußballverband wegzuschnappen. In Wirklichkeit aber ist das ein gigantisches Geschäft. Denn für die 1.930 bis zum 20. Juni 2012 eingehenden Adresswünsche kassiert Icann schlappe 350 Mio. US-Dollar. Nicht schlecht für einen exklusiven Eintrag ins "Telefonbuch" des Internets.

Bieterschlachten und Prozesse

Weil das Verfahren kompliziert ist (250 Seiten Anträge), sehr teuer und juristisch bisweilen ungeklärt, bleibt das vorerst ein exklusiver Club. Zum Beispiel bewerben sich allein 11 Firmen um .home. Auch die Namen .blog, .shop, .mail sind höchst begehrt und werden entweder über Bieterschlachten oder Prozessen vergeben werden. Vielleicht auch deshalb kommen 911 Namensanträge aus den USA, aber nur 17 aus ganz Afrika.

Die großen deutschen Firmen

Deutschland ist mit rund 70 neuen Top Level Domains vertreten, beispielsweise: .bmw, .cologne (NetCologne), .deutschepost, .dhl, .edeka, .epost, .fresenius, .gmbh, .gmx, .hamburg, .hiv, .koeln (NetCologne), .merck. Interessanterweise haben sich einige Firmen eigens gegründet, um sich Namen zu sichern und werden künftig versuchen, diese gewinnbringend an den Mann zu bringen.

Freigabe nicht vor 2013

Das Kürzel .nrw hat sich so nicht etwa das Bundesland selbst gesichert, sondern wie für .bayern das Unternehmen Minds and Machines GmbH, das gewiss Wege finden wird, den Zuschlag zu vermarkten. Aus unserem Bundesland fehlen aber die die Bayer AG und auch Opel – hoffentlich kein schlechtes Zeichen. Vor 2013 wird man die neuen Domains noch nicht sehen, aber danach werden sie sicher bald zum Alltag wie heute .com oder .de gehören.


Stand: 18.06.2012, 09.04 Uhr