Sicherheitsrisiken im Flugverkehr: Übermüdet im Cockpit
Arbeiten Verkehrspiloten zu lange, sind lange Dienstzeiten ein Sicherheitsrisiko für die Luftfahrt? Aufgeschreckt durch die vorzeitige Landung eines Air Berlin Jets auf dem Weg von Mallorca nach München stellt sich die Frage nicht nur für die Flugzeugführer.
Nach Recherchen des Nachrichtensenders NDR info baten die beiden Piloten den Tower in München darum unmittelbar landen zu dürfen, da sie erschöpft seien. "Dieser Bitte wurde stattgegeben, und die Maschine landete zwölf Minuten später um 10.27 Uhr in München ohne Probleme," bestätigt der Sprecher der Deutschen Flugsicherung Axel Raab den ungewöhnlichen Vorfall, für den es kein Vorbild gäbe.
Übermüdetes Personal erhöht Gefahren
Tatsächlich sind die Dienstzeiten der Piloten seit langem ein Streitpunkt zwischen den Fluggesellschaften und den Flugzeugführern. Immer stärker wachsender Flugverkehr, eng getaktete Frequenzen und hoher Wettbewerb auf den sogenannten "Rennstrecken", haben zu dem Zeitdruck geführt, den die Pilotenvereinigung Cockpit seit langem beklagt. Flugkapitän Ilja Schulz, Präsident der Pilotenvereinigung Cockpit: "Es ist für mich derzeit der einzige Fall, den ich kenne, was die Dramatik dieses Vorfalls zeigt. Ein Pilot wird nur dann eine solche Gefahrenmeldung absetzen, wenn er weiß, dass er anders die Sicherheit des Fluges nicht mehr gewährleisten kann. Die Fluglotsen machen den Weg frei, man kann als erster landen, man wird besonders langsam angesprochen, um alles zu verstehen." Gegenüber NDR Info sagte er zudem: "Dieser Fall zeigt sehr deutlich, dass die heutigen Flugdienstzeit-Regelungen nicht reichen, um die Besatzung vor Übermüdung zu schützen. Es ist ein deutliches Beispiel dafür, dass hier etwas getan werden muss."
Neue Dienstzeitenregelungen bereiten Piloten Sorgen
In einer internen Information der Personalvertretung der Fluglinie heißt es: "Die Planung solcher Einsätze ist in Hinsicht auf Sicherheit und Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ein unhaltbarer Zustand. Muss erst Schlimmeres passieren, damit die Verantwortlichen endlich einlenken?" Tatsächlich werden derzeit auf europäischer Ebene neue Dienstzeitenregelungen für Piloten beraten. Die ersten Entwürfe bereiten den Pilotenvertretern nach wie vor Sogen.
Notlandung als Weckruf?
Ist das Fliegen dadurch unsicherer geworden? Wohl nicht. Die beiden Piloten von Air Berlin wollten mit ihrer unvorhergesehen Landung wohl vor allem aus die aus ihrer Sicht unzureichenden Regeln aufmerksam machen. Auf einen Crash aus Übermüdung werden es weder Fluglinien noch Piloten ankommen lassen. Erstaunlich nur, dass sich Air Berlin gar nicht zu dem Vorfall äußern mag. Eine Mail an die Pressestelle der Fluggesellschaft, in der – wie vorher telefonisch erbeten – einige sachliche Fragen zu dem Vorfall gestellt wurden, bügelte die Pressereferentin Melanie Schyja am 14. Juni 2012 kurz und knapp ab: "Vielen Dank für Ihre Anfrage. Für ein Statement stehen wir nicht zur Verfügung. Herzliche Grüße aus der Air Berlin-Pressestelle."
Stand: 14.06.2012, 16.29 Uhr
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